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Wie wird eine Aktiengesellschaft (AG) gegründet?

Ablauf, Vor- & Nachteile, Kosten

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AG gründen

Eine der bekanntesten und ältesten Rechtsformen für Unternehmen ist die Aktiengesellschaft. Bei ihrer Gründung sind viele Schritte und ein relativ hoher Aufwand nötig. Sie ist daher nur für besonders große Gründungsprojekte mit sehr hohem Kapitalbedarf auch in der Zukunft geeignet. Allerdings, wenn alle Bedingungen erfüllt sind, können dem Unternehmen über spätere Kapitalerhöhungen und die Ausgabe von Aktien wesentlich größere Geldmittel von außen zugeführt werden, als es andere Rechtsformen erlauben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Aktiengesellschaft (AG) zählt zusammen mit der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) zu den bekanntesten Kapitalgesellschaften.
  • Aufgrund der Ausstattung mit Kapital, Zahl und Größe seiner Organe und oft sehr großen Anzahl an Anteilseignern wird die AG als „große Schwester“ der GmbH bezeichnet.
  • Eine Variante, die sich leichter und mit weniger Personen sowie Kosten gründen lässt, ist die sogenannte „kleine AG“.

Was ist eine Aktiengesellschaft?

Die Aktiengesellschaft zählt bei den Rechtsformen der Unternehmen zu der Gruppe der Kapitalgesellschaften und ist anhand des Kürzels „AG“ als Zusatz zum Firmennamen erkennbar. Sie ist damit eine juristische Person, für die unterschiedliche Rechte und Pflichten gelten.

Basis dafür ist das deutsche Aktiengesetz. Insbesondere Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, haben die Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Da ein hohes Startkapital von 50.000 Euro vorgeschrieben ist, eignet sich die AG als Rechtsform eher für große Gründungsprojekte. Bei der AG ist die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft begrenzt. In den letzten Jahren gewinnt gerade unter Existenzgründern und Start-Up-Unternehmen die kleine Variante der AG an Zulauf: Sie wird als „kleine Aktiengesellschaft“ oder „Ein-Personen-AG“ bezeichnet. Die Gründung einer Aktiengesellschaft ist erst dann formal wirksam, wenn sie im Handelsregister eingetragen wurde.

Die Gründung: Ablauf und die drei Phasen einer AG

Wer eine Aktiengesellschaft gründen möchte, muss zunächst eine Anzahl an formalen Voraussetzungen erfüllen. Neben der Findung eines passenden Namens für die Gesellschaft ist zunächst ein Gesellschaftsvertrag bzw. die Satzung der AG zu erstellen und notariell zu beurkunden.

Sind sich alle Gründer einig, dass eine AG errichtet werden soll, ist damit im juristischen Sinn eine Vorgründungsgesellschaft entstanden. Ihr einziger Zweck ist es, eine Aktiengesellschaft zu errichten. Beendet ist sie, wenn ein Gesellschaftsvertrag, sprich die Satzung, abgeschlossen worden ist.

In der Satzung, die im weiteren Sinn auch Gründungsprotokoll genannt wird, müssen folgende Punkte festgehalten werden:

  • Firma und Sitz der Aktiengesellschaft
  • Gegenstand der Aktiengesellschaft, bei Industrie- und Handelsunternehmen die Art von Erzeugnissen und Waren
  • Höhe des Grundkapitals bei Gründung, mindestens 50.000 €
  • Aufteilung (Zerlegung) des Grundkapitals entweder in Nennbetragsaktien oder in Stückaktien
  • Festlegung der ausgestellten Aktien auf den Inhaber oder auf einen Namen
  • Bestimmung der Zahl der Vorstandsmitglieder oder ggf. nach welchem Modus diese Zahl geregelt wird
  • Form der Bekanntmachung der AG

Im Zuge der weiteren Vorbereitungen muss die Satzung bzw. der Gesellschaftsvertrag mit einem Notar abgestimmt und formal korrekt nach den Wünschen der Gründer abgeschlossen werden. Danach sind die weiteren Schritte:

1. Feststellung der Satzung durch notarielle Beurkundung

Nun ist mit der Beurkundung der Satzung durch den Notar bis zur endgültigen Eintragung als Aktiengesellschaft im Handelsregister eine Vor-Aktiengesellschaft oder Vor-AG entstanden. Sie ist damit insbesondere befähigt für

  • Rechtsgeschäfte
  • Ausgabe von Schecks und Wechsel
  • zur Insolvenz
  • den Eintrag ins Grundbuch
  • die Gründung

Es folgen die weiteren Schritte in Richtung Gründung:

  • Bestellung des ersten Aufsichtsrats und Abschlussprüfers für das erste Geschäftsjahr
  • Einberufung des ersten Vorstands
  • die Kapitaleinlagen werden durch den Vorstand eingefordert
  • ein Gründungsbericht einschließlich Gründungsprüfung sind zu erstellen

Schließlich wird die AG vom Notar zum Handelsregister angemeldet und dort in Abteilung B eingetragen. Erst dadurch wird die Aktiengesellschaft zu einer juristischen Person und verlässt den Status der Vorgesellschaft. Damit entfällt auch die Haftung einzelner Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder im Innenverhältnis.

Achtung: Nach erfolgreicher Gründung der AG ergeben sich für diese noch einige sehr wesentliche Folgepflichten. So muss mindestens einmal im Jahr eine Hauptversammlung einberufen werden. Stichwort Rechnungslegung und Jahresabschlüsse: Ab einer bestimmten Größe der AG ist die Prüfung von Jahresabschlüssen gesetzliche Vorschrift. Daneben sind die Vorschriften des Handelsgesetzbuches bei der Rechnungslegung anzuwenden. Es müssen also Handelsbücher geführt werden. Bei der kleinen AG ist mindestens eine Bilanz mit einer Gewinn- und Verlustrechnung Pflicht. Bei größeren AGs sind noch umfangreichere und weitreichendere Jahresabschlüsse vorgeschrieben.

Kleine AG gründen:

Wer eine AG mit überschaubarer Größe gründen möchte und später nicht den Gang an die Börse plant, kann eine sogenannte kleine Aktiengesellschaft („kleine AG“) gründen. Sie ist keine eigene oder andere Rechtsform, sondern im Wesentlichen eine ganz normale AG.

Allerdings gibt es einige Erleichterungen und „Verkleinerungen“: Gründen kann eine Einzelperson, die dann Vorstand und Aktionär zugleich ist. Jedoch müssen weitere Personen an der Führung beteiligt werden. Auch der Aufsichtsrat muss aus drei Personen bestehen. Außerdem kann und sollte zum Unternehmensstart die Zahl der Aktionäre gering sein, damit die kleine AG überschaubar bleibt. Die Gründungsprüfer bei der kleinen AG werden vom Gericht bestellt. Letztlich sollte die kleine AG aber auch in das Handelsregister eingetragen werden.

Aufbau und Organe einer Aktiengesellschaft

Für ihre Existenz und Arbeit im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften müssen für die Aktiengesellschaft die folgenden Organe eingerichtet worden sein. Ohne diese würde eine Aktiengesellschaft nicht zugelassen werden:

Vorstand

Der Vorstand ist das leitende Organ und für die Geschäftsführung zuständig. Er besteht aus einer oder mehreren Personen, die eine AG nach innen und außen vertreten. Dabei handelt der Vorstand selbstständig sowie unabhängig, wird jedoch von dem Aufsichtsrat kontrolliert. Einzelne Mitglieder des Vorstands werden zudem vom Aufsichtsrat berufen.

Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat ist das eigentliche Kontrollorgan der Aktiengesellschaft. Diese Kontrolle nimmt er unter anderem durch Einsicht in die laufende Rechnungslegung wahr. In seinen Sitzungen berichten die ebenso eingeladenen Vorstände und ermöglichen so, dass der Aufsichtsrat die Arbeit des Vorstands kontrollieren kann. In bestimmten Fällen kann der Aufsichtsrat auch eine Hauptversammlung einberufen. Seine Aufgabe ist es, einen Abschlussprüfer zu berufen. Der Aufsichtsrat wiederum wird in der Hauptversammlung gewählt.

Hauptversammlung

Die Hauptversammlung ist das zentrale und höchste beschlussfassende Organ einer Aktiengesellschaft. Hierzu werden mindestens einmal im Jahr alle Aktionäre bzw. Anteilseigner eingeladen. Dabei treffen die versammelten Aktionäre wichtige und grundsätzliche Entscheidungen wie zum Beispiel über :

  • die Verwendung des Bilanzgewinns (Ausschüttung, Dividende)
  • Entlastung der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder
  • beantragte Satzungsänderungen
  • die Bestellung eines Abschlussprüfers
  • Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung und -herabsetzung
  • Auflösung der Gesellschaft

Vor- und Nachteile AG: Weitere Gesellschaftsformen im Vergleich

Im Vergleich zu anderen Gesellschaftsformen wie der GmbH, KG, UG oder GbR ergeben sich für die Aktiengesellschaft Vor- und Nachteile, die aus der folgende Tabelle deutlich werden:

Mindestkapital Gründerzahl Haftung Kosten Vertrag/Form
Aktiengesellschaft AG 50.000,00 € 1 Gesellschaftsvermögen hoch Notar, Vertrag schriftlich
Unternehmergesellschaft UG 1,00 € 1 wie GmbH wie GmbH mit Erleichterungen wie GmbH, Muster vereinfacht
Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH 25.000,00 € 1 Gesellschaftsvermögen hoch Notar, Vertrag schriftlich
Kommanditgesellschaft KG keines, aber Kommanditist 2 mind. Komplementäre unbeschränkt, Kommanditist mit Einlage rel. gering schriftl. Vertrag empfehlenswert
Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR keines 2 mind. Gesellschaft und Gesellschafter für Gesellschaftsschulden gesamtschuldnerisch (auch mit Privatvermögen) gering schriftlicher Vertrag empfehlenswert

Daraus wird deutlich, dass eine Aktiengesellschaft einen relativ hohen Gründungsaufwand und Kosten im Vergleich zur KG, GbR oder UG erfordert. Dagegen ist die Haftung bei der AG auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt. Das ist bei anderen Rechtsformen wie der GbR nicht der Fall: Dort haften Gesellschaft und Gesellschafter unter Umständen auch mit dem Privatvermögen.

Andererseits hat die Aktiengesellschaft gegenüber den genannten anderen Rechtsformen diese alleinstellenden Vorteile:

  • Eigenkapitalbeschaffung in großem Volumen bei kapitalintensiven Gründungsprojekten
  • relativ schnelle und mehrfache Erhöhung des Eigenkapitals per Ausgabe von Aktien
  • Motivation der Mitarbeiter einfach über Mitarbeiterbeteiligungsprogramm in Aktien
  • unabhängiger Vorstand in Geschäftsführungsangelegenheiten
  • einfache Weitergabe von Anteilen an folgende Generationen durch Aktien

Demgegenüber stehen die Nachteile einer AG:

  • hoher Mindestbetrag als Grundkapital (insgesamt 50.000 Euro, bei Gründung mindestens 12.500 Euro)
  • längere und kostenintensive Gründung
  • zahlreiche Bilanzierungs- und Publizitätspflichten
  • relativ hoher Verwaltungsaufwand.

AG Gründen: Ohne professionellen Rat und Begleitung geht es nicht

Die Gründung einer AG kann sich in der Praxis als viel aufwändiger herausstellen, als es hier vereinfacht beschrieben worden ist. Hinzu kommen zahlreiche finanzielle, steuerliche, rechtliche und organisatorische Fragen, die in diesem Überblick nicht alle angesprochen werden können. In jedem Fall ist es sinnvoll, das Gründungsprojekt sowohl bei einer kleinen wie auch großen AG rechtzeitig mit professioneller Beratung und Unterstützung anzugehen. Gründer sollten daher in jedem Fall einen Steuerberater und einen Fachanwalt zu Rate ziehen.