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Wie Unternehmen Factoring zur Finanzierung einsetzen können

Kurzfristig Liquidität und Eigenkapitalquote erhöhen

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Factoring

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen offene Rechnungen an eine außenstehende Instanz (Factor) wie beispielsweise eine Bank. Der Factor begleicht die ausstehenden Rechnungsbeträge sofort und tritt anstelle des ursprünglichen Leistungsträgers in die Gläubigerposition. Kunden des Unternehmens leisten fortan Zahlungen mit schuldbefreiender Wirkung direkt an den Factor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unternehmen nutzen Factoring als kurzfristiges Finanzierungsinstrument.
  • Mit Factoring erhöhen Unternehmen ihre Liquidität und Eigenkapitalquote.
  • Der Factor tritt in die Gläubigerposition und übernimmt meist das Zahlungsausfallrisiko und das Debitorenmanagement.
  • Auch Privatpersonen können Factoring für sich nutzen.

Was ist Factoring?

Factoring hat sich als Alternative zu kurzfristigen Fremdfinanzierungen etabliert. Der Factor kauft dabei offene Forderungen eines Unternehmens an und übernimmt bis zur Fälligkeit die Gläubigerposition. Gleichzeitig geht das Risiko eines Forderungsausfalles auf den Factor über (Delkrederefunktion). Der Vorteile für das Unternehmen besteht darin, dass es das Geld aus offenen Forderungen direkt erhält. Der Factor wiederum erhebt in der Regel eine Gebühr von 0,5 bis 3,0 Prozent für seine Leistungen.

Künftig übernimmt der Factor sämtliche Dienst- und Serviceleistungen, die mit der Verwaltung der Debitoren und Eintreibung offener Zahlungsbeträge einhergehen. Normalerweise bevorschusst der Factor gleich mehrere Forderungen. Ein Factoringvertrag regelt, wie lange und welche Forderungen finanziert werden.

Warum lohnt sich Factoring?

Mit der Vereinbarung von Zahlungszielen entsteht für Unternehmen finanzieller und bürokratischer Aufwand. Sie schreiben Rechnungen, verwalten Debitorendatenbanken und mahnen ausbleibende Zahlungen an. Das Risiko von Zahlungsausfällen trägt das leistende Unternehmen vollständig selbst.

Dazu sind bis zum Eingang der Kundenzahlungen die finanziellen Mittel gebunden und stehen nicht für Investitionen zur Verfügung. Durch Factoring übernimmt der Factor den bürokratischen Aufwand. Er stellt dem Unternehmen sofort liquide Mittel zur Verfügung, die in das Eigenkapital des Unternehmens einfließen.

Wichtigste Voraussetzung für Factoring: Verität

Die Verität, also der rechtliche Bestand einer Forderung, bildet die Basis für das Factoring. Sie besagt, dass das Unternehmen tatsächlich Gläubiger der Forderung ist, die es an den Factor verkauft. Das Unternehmen hat die Leistung, die es in Rechnung stellt, bereits erbracht. Die Forderung steht ihm allein in voller Höhe zu. Damit ein Verkauf rechtsbeständig ist, muss die Forderung inhaltlich korrekt, ausreichend dokumentiert und entsprechend nachweisbar sein.

Ablauf des Factoring

Factoring läuft innerhalb eines festgelegten Schemas ab. Dieses verdeutlicht die nachfolgende Grafik.

factoring

Ein Kunde bestellt Waren oder Dienstleistungen bei einem Unternehmen. Dieses erbringt die gewünschte Leistung. Die Verität der Forderung ist eingetreten (1). Der Factor überprüft die Kundenbonität, um das Risiko eines Zahlungsausfalls möglichst gering zu halten (2). Nach positiver Bonitätsprüfung verkauft das Unternehmen die Forderung an den Factor (3). Dieser bevorschusst in der Regel etwa 80 bis 90 Prozent des Rechnungsbetrages. Der Zahlungseingang erfolgt innerhalb von 48 Stunden nach Vereinbarung (4). Der Factor ist nun Gläubiger der Forderung und übernimmt das Debitorenmanagement. Er trägt das Risiko eines Zahlungsausfalls. Das Unternehmen erhöht seine Liquidität und die Eigenkapitalquote. Der Kunde (Debitor) zahlt seine Rechnung mit schuldbefreiender Wirkung direkt an den Factor (5). Dieser überweist die restlichen zehn bis 20 Prozent des Rechnungsbetrages an das Unternehmen (6).

Welche Factoring-Arten gibt es?

Es gibt zehn gängige Factoring-Varianten, die im Folgenden näher beschrieben werden.

Echtes und unechtes Factoring

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Ausfallrisiko der Forderungen (Delkredereschutz). Diese Form des Factorings ist in Deutschland die verbreitetste.

Im Umkehrschluss erhält das Unternehmen, das seine Forderungen im unechten Factoring abtritt, keinen Schutz vor ausfallenden Zahlungen. Diese Factoring-Art wird in Deutschland jedoch kaum praktiziert.

Offenes und stilles Factoring

Der Debitor (Kunde) wird in der Form des offenen Factorings darüber informiert, dass seine Forderung verkauft wurde. Er zahlt mit schuldbefreiender Wirkung direkt an den Factor. In Deutschland entscheiden sich hingegen nur wenige Unternehmen für das stille Factoring. Hierbei wird der Forderungsverkauf nicht offengelegt. Dieses Verfahren ist jedoch etwas teurer als das offene Factoring.

Full-Service-Factoring (Standardfactoring) oder Inhouse-Factoring (Bulk-Factoring, Eigenservice-Factoring)

Mit dem Forderungsverkauf übernimmt der Factor sämtliche Dienst- und Serviceleistungen im Bereich Debitorenbuchhaltung und Schuldeneinbringung. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen werden durch diese Factoring-Art entlastet. Sie können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und tragen keinen bürokratischen Aufwand für das Debitorenmanagement.

Beim Inhouse-Factoring behält sich der Factoring-Kunde einen Teil des Debitorenmanagements vor. Die Debitorenbuchhaltung wird beispielsweise erst ab der zweiten Mahnstufe an den Factor abgegeben. Besonders für Großunternehmen mit eigener Buchhaltung ist diese Factoring-Form interessant. Hier steht der kurzfristige Finanzierungsbedarf und die Abtretung des Zahlungsausfallrisikos im Vordergrund des Factorings.

Export- und Import Factoring

Diese Factoring-Arten wurden speziell für Ex- beziehungsweise Importunternehmen entwickelt. Export-Factoring-Verträge schließen Exportunternehmen und Factoring-Anbieter mit jeweiligem Geschäftssitz im Inland ab. Die Exporteure nutzen das Factoring für grenzüberschreitende Geschäfte. Umgekehrt kommt das Import-Factoring zwischen inländischen Factoring-Anbietern und Importeuren mit Geschäftssitz im Ausland zustande.

Reverse Factoring

Diese Factoring-Art kehrt das oben beschriebene Schema um: der Factoring-Anbieter finanziert Rechnungen für einen Warenabnehmer. Dadurch kann dieser eingeräumte Skonti nutzen und erhält beim Factor ein längeres Zahlungsziel.

B2C-Factoring

Das B2C-Factoring richtet sich statt an Unternehmen direkt an Privatkunden. Die geläufigste Form ist das echte Full-Service-Factoring. Das B2C-Factoring erfreut sich in Deutschland steigender Beliebtheit.

Vor- und Nachteile des Factorings

Factoring weist verschiedene Vor- und Nachteile auf. Diese fasst die folgende Tabelle zusammen.

Vorteile Nachteile
Liquidität wird sofort bereitgestellt (offenes) Factoring kann auf Kunden abschreckend wirken
Stärkung der Eigenkapitalquote Unternehmen erbringt Leistung vor Verkauf der Forderung
erspart umständliches Debitorenmanagement mitunter hohe Factoring-Gebühren
Factor übernimmt Zahlungsausfallrisiko gute Kundenbonität als Voraussetzung für Factoring
Factoring-Rahmenverträge mit vereinbarten Mindestbeträgen

Ist Factoring eine Art Inkasso?

Nein, Factoring und Inkasso sind zwei verschiedene Leistungen. Inkasso beschreibt den Einzug fremder Forderungen im eigenen oder fremden Namen. Viele Inkasso-Gesellschaften treten als Vermittler auf und übernehmen das Debitorenmanagement für forderungsabtretende Unternehmen. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Einbringung offener Forderungen auf dem gesetzlich vorgeschriebenen Weg. Das Unternehmen tritt seine Forderungen an die Inkasso-Firma ab (Zession) und verbleibt in seiner Gläubigerposition.

Macht Factoring nur für Unternehmen Sinn?

Für Unternehmen, die laufend hohe Forderungsbeträge generieren, ist Factoring sinnvoll. Die Forderungen werden dank des Rahmenvertrages mit dem Factor direkt in Liquidität umgewandelt und binden finanzielle Mittel nicht langfristig. Dazu rechtfertigen der ersparte Aufwand in der Debitorenbuchhaltung und das ausgelagerte Zahlungsausfallrisiko die Factoring-Gebühren.

Factoring für Privatpersonen

In der Form des B2C-Factorings können jedoch auch Privatpersonen Factoring für sich nutzen. Viele Factoring-Unternehmen setzen allerdings eine Mindesthöhe der zu verkaufenden Forderungen voraus, die oftmals im fünfstelligen Bereich liegt. Andernfalls lohnt sich der Verwaltungsaufwand für den Factor nicht. Außerdem fallen mitunter erhebliche Factoring-Gebühren pro verkaufter Forderung an. Die meisten B2C-Factorings werden gegenüber den Debitoren offengelegt.

Insofern sollten sich Privatpersonen gründlich überlegen, ob die Inanspruchnahme des Factorings wirklich sinnvoll ist. Je nachdem, welche Forderungen sie verkaufen, überschreiten die Factoring-Kosten die Gebühren und Zinsen herkömmlicher Konsumentenkredite. Zudem wirkt es auf die Schuldner befremdlich, wenn ihre Verbindlichkeiten verkauft werden. Dennoch stellt Factoring auch für Privatkunden eine schnelle und sichere Liquiditätsquelle jenseits üblicher Finanzierungsmethoden dar.

Vor dem Factoring andere Finanzierungsmöglichkeiten prüfen

Für Unternehmen, die ihre Debitorenbuchhaltung auslagern möchten, bietet das Factoring einen idealen Lösungsansatz. Der eingesparte Arbeitsaufwand rechtfertigt die zu entrichtenden Gebühren. Kommt das Factoring lediglich als Finanzierungsform in Betracht, sollten Unternehmen und Privatpersonen alternative Möglichkeiten der Kreditaufnahme unbedingt vorher prüfen.

Tipp: Privatpersonen können über den kostenfreien Kreditrechner von FINANZCHECK.de einfach Kreditangebote miteinander vergleichen. So finden Kreditnehmer schnell heraus, wie hoch die Kostenunterschiede zwischen Factoring und Kreditaufnahme wirklich sind.